Mittlerweile sind Millionen von Arccos Golf Sensoren im Umlauf, noch mehr Schläge werden getrackt und diese Massen an Daten helfen allen Golfern weiter. Golf Post hat sich Andrew Turner von Arccos Golf über das Tech-Unternehmen unterhalten. Dabei gab er tiefe Einblicke in die Denkweise und die Ziele des Unternehmens.

Golf Post: Arccos Golf steht für Technologie, Innovationen und das Thema Big Data. Jedes Jahr gibt es etwas Neues. Wie macht Ihr das?

Andrew Turner: Wir versuchen immer, drei bis vier große Neuheiten im Jahr zu präsentieren. Auf der PGA Show in Orlando haben wir beispielsweise den neuen Rangefinder vorgestellt, der Luftfeuchtigkeit, Höhe über dem Meeresspiegel, Wind und Temperatur mit in die Rechnung einbezieht. Im Sommer kam dann der Arccos Golf Caddie Link, ein Riesenerfolg, bei dem wir mit der Nachfrage gar nicht hinterher kamen. Das Gerät wird in den USA produziert, ist demnach “Made in the USA.”

Das dritte war dann “Strokes Gained”. In den letzten Jahren hatten wir die mobile Version kaum verändert. Natürlich gab es immer wieder Verbesserungen, Optimierungen und kleinere Änderungen, aber im Groben und Ganzen blieb alles beim Alten. Viele kennen die Strokes Gained Methode aus dem Fernsehen von den Profis und wir wollten unseren Nutzern dieses Tool auch anbieten. Wir hatten Strokes Gained schon im Hintergrund mitlaufen lassen, hatten jetzt aber die Möglichkeit und die Ressourcen es jedem Nutzer auch auf dem Handy auszuspielen. Und das wird ab jetzt immer weiter optimiert. Zur Zeit bieten wir Statistiken für alle 50 Yards an, das wird in Zukunft immer präziser werden.

Das letzte Update für dieses Jahr ist im europäischen und us-amerikanischen Raum etwas untergegangen, weil es nur den japanischen Markt betraf. Dort besitzen viele Löcher zwei unterschiedliche Grüns und die Fahne steckt an jedem Tag woanders. Das kann unser System natürlich nicht erraten und ist verwirrt, was denn jetzt Grün ist und was nicht. Das konnten wir mit einer geänderten Karte und ein paar Tricks im System jetzt beheben, sodass auch die Japaner in den vollen Genuss von allen Arccos-Features kommen können.

Golf Post: Das hört sich schon sehr spannend an. Wie wird es denn in den nächsten Jahren weitergehen, kannst Du uns schon etwas verraten?

Andrew Turner: Für 2021 wird insbesondere das Dashboard geändert. Wir haben in diesem Jahr einiges für die App gemacht, nächstes Jahr ist die Desktop-Version an der Reihe. Das ist besonders für die Fitter und Trainer wichtig, die sich die Daten der Kunden bzw. Schüler anschauen wollen, um das Optimum herauszuholen. Wir arbeiten mit Colleges zusammen, die ihre Teams mit Arccos Golf ausstatten. Leider sind hier die Regeln der NCAA extrem strikt und hart, so dass wir nicht mal die Spieler nach Feedback fragen dürfen. Den Teaching-Pros wird dieses Update aber sehr weiterhelfen. Mit dem Update des Dashboards werden wir speziell für solche Gruppen wie den College-Teams, oder den Damen- und Herren-Mannschaften, wie es sie in Deutschland oft gibt, Programme machen. Da kommen noch weitere Gimmicks dazu, aber die kann ich leider noch nicht verraten.

Golf Post: Top Secret, also? Gibt es noch eine Neuerung?

Andrew Turner: Ja (lacht). Es gibt noch mehr: Putten. Leider war Putten immer das Schwächste an unserem System, das muss ich ehrlich zugeben. Dem GPS geschuldet, gibt es immer 2-3 Meter Ungenauigkeiten. Was sich bei langen Schlägen auf dem Platz über 18 Loch ausgleicht, kann beim Putten und der jeweiligen Fahnenposition eine Menge ausmachen. Was zum Beispiel kommen wird, ist das Markieren von mehreren Putts. Zur Zeit ist es nur ein einziger, den man auf der Karte sieht. Es wird ein zweiter und dritter hinzukommen. Dadurch wird auch die Statistik viel genauer. Leider muss dies für ein detailliertes Putt-Ergebnis manuell nachgetragen werden. Wir wollten immer alles automatisch tracken, aber das ist der Ungenauigkeit des GPS geschuldet. Das sind zwei Sachen, die wir auf jeden Fall nächstes Jahr machen werden.

Golf Post: In den vergangenen Jahren sind Eure Partnerschaften immer weiter gewachsen. Cobra machte den Anfang, Ping folgte. Mit Superstroke gibt es Eure Sensoren nun auch in Putter-Griffen. Wie sieht das in naher Zukunft aus?

Andrew Turner: Wir sind insbesondere mit Fittern in den USA im Gespräch. Hier sehen wir viel Potenzial für beide Seiten. Im Idealfall geht der Kunde mit dem neuen Schläger auf die Runden und nach einer kurzen Testphase wieder zu seinem Fitter. Mit den gesammelten Daten können dann Golfer und Fitter erkennen, ob kleine Änderungen wie Loft, Schaft oder Gewichtung vorgenommen werden sollten.

Darüber hinaus muss ich auf jeden Fall Cobra erwähnen. Die setzen die Partnerschaft fort und haben mittlerweile sogar einen Putter mit dem Arccos System ausgestattet. Viele haben uns gefragt, wieso Cobra keine Exklusivität wollte, aber nun gibt es auch Ping, die mit an Bord sind. Je mehr mitmachen, desto mehr wird das System validiert. Genau wie Cobra startet Ping mit einer Serie und wird mit der Zeit immer mehr Schläger mit unserem System ausstatten. In den USA bahnt sich auch eine Kooperation mit TaylorMade an. Des Weiteren sind wir noch mit den Herstellern von Griffen im Gespräch. Angeführt von SuperStroke mit dem Puttergriff sowie Lamkin und Golf Pride bei den anderen Griffen. Also die Partnerschaften laufen super. Es war sicherlich das Jahr mit der meisten Arbeit bisher.

Golf Post: Wie sieht der sonstige Plan für die Zukunft aus. Was ist die Vision und das Endziel?

Andrew Turner: Wir wollen natürlich am liebsten alle großen Equipment-Hersteller an Bord haben – das ist das Ziel: Die ganze Golf-Industrie umkrempeln und ihnen die Daten zu liefern, um daraus Rückschlüsse auf das Equipment ziehen zu können. Und ich gehe noch einen Schritt weiter. Stell Dir vor, wir würden mit Golfplätzen zusammenarbeiten. Dann würden die sehen, welcher Bunker zum Beispiel nie genutzt wird, den kann man dann getrost zuschütten. Sie bekommen aber auch raus, welche die schwierigste und einfachste Fahnenposition ist. Genauso können Abschlagsboxen und die von dort gespielte Spielzeit errechnet werden. Wo das Rough gekürzt werden sollte, weil dort die Flights am längsten nach ihren Bällen suchen und alles aufhalten. Das können wir beliebig weiterspinnen. Das wird sicherlich noch eine Weile dauern, aber da werden wir hinkommen.

Golf Post: Da sind wir auch gespannt, wie es sich in den nächsten Jahren entwickeln wird. Zum Schluss haben wir noch unsere Schnell-Frage-Runde. Nicht zu lange nachdenken und aus dem Bauch entscheiden. Bist Du bereit?

Andrew Turner: Ja, leg los!

Golf Post: Wenn Du Dir Deinen Wunsch-Vierer-Flight zusammenstellen könntest, kann jeder Golfer, Prominenter, tot oder lebendig sein. Mit welchen drei Personen würdest Du spielen wollen und wieso? 

Andrew Turner: Auf keinen Fall mit irgendwelchen Promis. Ich spiele mit meinen drei Kindern. Ich muss mir deren Taschengeld beim Zocken wieder zurückholen (lacht). Das ist mein Traumflight und ich bin froh, dass ich das regelmäßig erleben kann, aber auch nur solange ich noch besser bin als die Kleinen.

Golf Post: Lieber bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang spielen?

Andrew Turner: Sonnenuntergang. Eine Runde am Abend ist das Schönste.

Golf Post: Driver oder Putter?

Andrew Turner: Putter.

Golf Post: Gehen oder mit dem Cart fahren?

Andrew Turner: Gehen. Zu 100%. Wenn man mit dem Cart fährt, ist es gar kein Sport mehr, oder?

Golf Post: Schnelle 9-Loch-Feierabendrunde oder ganze 18-Loch?

Andrew Turner: 18-Loch.

Golf Post: Lieblingsgolfplatz?

Andrew Turner: Turnberry.

Golf Post: Was war Dein niedrigster Score jemals?

Andrew Turner: Als ich meine PGA Ausbildung gemacht habe, habe ich mal 3 unter Par gespielt.

Golf Post: Und unsere letzte Frage: Arccos Smart Sensor oder Arccos Smart Grip?

Andrew Turner: Das ist eine harte Frage. Ich bin eher ein Arccos Smart Grip Typ. Wieso sollte man dumme Griffe haben, wenn man auch smarte haben kann?

Golf Post: Vielen Dank für Deine Zeit und Antworten!

Das Interview führte Johannes Gärtner





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