“Einmal gibt es Traumschläge, dann wieder Fehlschläge. Von Perfektion kann man nur träumen. Zu dieser Einsicht bin ich gekommen, als ich mich vom indifferenten zum gläubigen Christen wandelte.” – Bernhard Langer

Bernhard Langer wurde am 27. August 1957 in Anhausen geboren und ist wohl der beste deutsche Golfer aller Zeiten, zweifacher Sieger des US Masters und die Lichtgestalt des deutschen Golfsports

Gegen den Rat seiner Eltern zum Golfprofi

In der Nähe von Augsburg wuchs Bernhard Langer in einfachen Verhältnissen auf. Früh musste er seinem Vater, der Maurer war, dabei helfen, dass eigene Wohnhaus der Familie aufzubauen. Laut eigener Aussage nahm er aus dieser Zeit viel mit. Er lernte, Dinge sorgfältig aufzubauen, wie er später berichtete. Mit dem Golfsport kam er in Kontakt, als er acht Jahre alt war. Er verdiente sein Taschengeld als Caddie in einem Golfclub in der Nähe seines Elternhauses. Dort geschah es auch, dass er einen alten Golfschläger geschenkt bekam, was dazu führte, dass in dem jungen Bernhard die Leidenschaft zum Golfsport entbrannte.

Er liebte es in seiner Jugend, jede freie Sekunde auf dem Golfplatz zu verbringen und litt sehr darunter, wenn die Schule ihm die Zeit dafür raubte. Als er die Schule dann nach der neunten Klasse beendete, war Langers Vorhaben klar: Er wolle Golfprofi werden. Vernarrt in den Sport missachtete er die Ratschläge seiner Eltern, “er solle doch bitte etwas vernünftiges lernen”, und machte eine Ausbildung zum Golflehrer. Außerdem heuerte er als Assistenz-Pro im Münchener Country Club an, ohne vorher auch nur ein einziges ernsthaftes Turnier bestritten zu haben.

Bernhard Langers Aufbruch in die große, weite Welt

Mit 17 Jahren war es dann endlich soweit für Bernhard Langer: Er gewann sein erstes Profi-Turnier in der Nähe von Köln. Ein Jahr später wurde er Teil der European Tour, spielte seine ersten Turniere auf großer Bühne, übernachtete allerdings in seinem eigenen Auto, weil ihm das Geld für Hotels fehlte. Er konnte zu dieser Zeit noch nicht seine volle Konzentration auf seine Golfkarriere richten, denn Langer leistete Wehrdienst und kehrte danach auf die European Tour zurück. Ab diesem Moment ging sein Weg steil nach oben.

Ein jugendlicher Bernhard Langer. (Foto: Getty)

Ein jugendlicher Bernhard Langer. (Foto: Getty)

Im Oktober 1980 gewann er sein erstes Golfturnier auf der European Tour – das Dunlop Masters im “St. Pierre Golf and Country Club” in der Nähe von Bristol, England. Etwas weniger als ein Jahr später triumphierte Bernhard Langer dann ein zweites Mal auf der European Tour – und zwar in Deutschland. Er siegte als erster Deutscher bei der zu dieser Zeit prestigeträchtigen German Open und sorgte für große Euphorie in der deutschen Golfszene. Das zur Jahrtausendwende eingestellte Turnier gewann er in Laufe seiner Karriere ganze fünf Mal.

Es folgte ein über zwei Jahrzehnte andauernder Siegeszug über die European Tour. Insgesamt 42 Titel heimste Langer ein und ist damit auf dem zweiten Platz der ewigen Bestenliste, nur die spanische Legende Seve Ballesteros triumphierte häufiger. 1986 war Bernhard Langer sogar die erste Nummer eins der neu eingerichteten Golf Weltrangliste. Er war über eine Spanne von 20 Jahren absolute Weltspitze. Bis heute genießt er internationales Ansehen – innerhalb und außerhalb der Golfszene.

Bernhard Langer: Siege Anzahl
European Tour 42
PGA Tour 3
PGA Tour Champions 41
weitere Siege 28
US Masters Siege (Jahre) 1985, 1993

Der Durchbruch: Langers Masters-Triumph

1985 war Bernhard Langer längst ein bekannter und geschätzter Golfer. Das US Masters 1985 verhalf ihm dazu, auch international zur Größe zu werden. Er gewann als erste deutscher Golfer aller Zeiten ein Majorturnier, obwohl es zu Beginn der dritten Runde alles andere als gut für Langer aussah. Sechs Schläge lag der Anhausener hinter der Spitze, bevor ihm ein überaus glückliches Eagle gelang, er aufdrehte und seine grandiose Back Nine des Moving Days im Finale wiederholte. Er zog an Curtis Strange, Seve Ballesteros und Raymond Floyd vorbei und durfte sich das “Green Jacket” zum ersten Mal überstreifen. Diesen Schwung nahm er mit und gewann nur eine Woche nach dem Masters sein einziges PGA-Tour-Turnier – die Sea Pines Heritage. Langer war – wie er später selbst behauptete – am Zenit seiner Karriere: “1985 war mein bestes Jahr. Ich gewann sieben Turniere auf fünf Kontinenten und wurde die Nummer eins der Golfweltrangliste.”

Acht Jahre später, 1993, wiederholte er sein Kunststück. Er machte seinem Spitznamen “Mr. Consistency” alle Ehre, spielte vier konstante, gute Runden im Augusta National, in dem er durch seine zwei Masters-Siege eine lebenslange Mitgliedschaft genießt, und streifte sich zum zweiten Mal in seiner Karriere das “Green Jacket” über.

Bernhard Langer über das US Masters

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Ryder Cup: Der Putt von Kiawah und der Triumph von Bloomfield

Zehn Mal nahm Bernhard Langer ab 1981 als Spieler am Ryder Cup teil. Fünfmal verhalf er seinem Team Europa dabei zum Sieg, am stärksten in Erinnerung blieb allerdings ein Moment der Niederlage. 1991 hatte Team Europa auf Kiawah Island in South Carolina in persona von Bernhard Langer mit einem Putt aus weniger als zwei Metern die Chance zum Sieg. Langer verlegte, Team Europa unterlag und amerikanische Fans jubelten rücksichtslos und unsportlich vor den Augen der Konkurrenten. Ihn überkam das Gefühl, seine Kollegen im Stich gelassen zu haben, wie er Jahre später zugab.

Langer durfte allerdings auch feiern: 2004 führte Bernhard Langer, einer der erfolgreichsten europäischen Spieler in der Geschichte des Ryder Cups, sein Team als Kapitän zu einem historisch deutlichen Sieg in den Bloomfield Hills. Mit zehn Einsätzen als Spieler und einem Auftritt als Kapitän zählt Bernhard Langer bis heute, gemeinsam mit Nick Faldo, zu den verdientesten Ryder-Cup-Europäern aller Zeiten.

Ryder Cup 2004: Bernhard Langer feiert den Triumph seines Teams (Foto: Getty)

Ryder Cup 2004: Bernhard Langer feiert den Triumph seines Teams (Foto: Getty)

Langers ewig währende Liebe zum Golf

2007, als er 50 Jahre alt wurde, zog er sich weitestgehend von der European Tour zurück, geht aber weiter seiner Liebe zum Golfsport nach – als aktiver Spieler. Seitdem tritt er auf der PGA Tour Champions an und gehört mit über 40 Titeln auch auf dieser Tour zu den erfolgreichsten Spielern überhaupt. Als einziger Spieler gewann er bereits alle fünf Majorturniere der Senioren, einige sogar mehrfach. Überhaupt denkt Langer auch im hohen Alter noch nicht an sein Karriereende. Golf ist laut ihm ein ewiger Lernprozess, jeder Spieler kann sich noch verbessern. Der Gedanke an perfektes Golf ist laut ihm “ein großer Irrtum”.

Überhaupt ordnete er seinem geliebten Golfsport einiges unter. Er gilt als Asket, nimmt keinen Alkohol zu sich und pflegt seinen Körper über zwei Stunden täglich mit Yoga- und Stretchübungen. Er selbst bezeichnet sich als Perfektionisten, ist unglaublich zielstrebig und Wegbegleiter bezeichneten ihn als Konzentrationswunder. Unter anderem hatte er im Laufe seiner Karriere mit Yips zu kämpfen, konnte dieses unkontrollierte Muskelzucken aber mit harten Training und wahnsinniger Konzentration überwinden.

Senior Open Championship 2019: Ein siegreicher Bernhard Langer mit seiner strahlenden Familie. (Foto: Getty)

Senior Open Championship 2019: Ein siegreicher Bernhard Langer mit seiner strahlenden Familie. (Foto: Getty)

Privates Glück in Florida und tägliches Bibelstudium

Verheiratet ist Bernhard Langer seit 1984 mit Vikki Carol, mit der er vier Kinder hat: Jackie, Stefan, Christina und Jason. Ihr Glück hat die Familie in Florida gefunden, sie besitzen aber auch Anwesen in Seattle und in Langers Geburtsort Anhausen. Neben seiner Leidenschaft zum Golf ist Bernhard Langer gläubiger Christ und liest fast täglich in der Bibel. Regelmäßig lädt er auch seine Kollegen der PGA Tour Champions zu Bibelstunden ein. “Da steht alles drin, was wir brauchen”, sagte Langer einst. Vielleicht ist dies ein Geheimnis seines Erfolges, seiner Beständigkeit und seiner Weisheit – aber sicherlich nicht sein einziges.





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