Masters-Zeit war im Jahre 2020 nicht wie gewohnt im April. Auch das traditionsreiche Turnier im Augusta National war vor der Improvisationswelle die im Zuge der Corona-Pandemie lostrat nicht gefeit. In diesem allzu anderen Jahr bildete das US Masters nicht wie sonst den Startschuss, sondern den Abschluss des Major-Kalenders und fand bei trüberen Bedingungen im November statt. Dies hatte natürlich Auswirkungen. Schon vor dem Turnier merkte die Legende und der einzige deutsche Starter Bernhard Langer an: “Es sieht nach etwas Regen aus, was den Golfplatz länger werden lässt und die Grüns langsamer macht.”

Darüber hinaus unterschied sich das in den vergangenen Jahrzehnten mitunter durch seine unvergleichliche Atmosphäre zu Legendenstatus gelangte Turnier in ebendieser Sache. Die wichtigsten Protagonisten fehlten: die Zuschauer – und damit die Masters-typische, elektrisierende Stimmung. “Wir alle werden die Zuschauer sehr vermissen”, stellte Adam Scott nach seiner Proberunde fest. Trotzdem reiste die gesamte Riege der Golf-Weltstars an, hochmotiviert das auratische Green Jackett zu gewinnen. Unter diesen zumindest gewöhnungsbedürftigen Vorzeichen ging es dann endlich los – am 12. November 2020 – mit der 84. Ausgabe des US Masters.

Bernhard Langer schreibt Geschichte

Viel wurde im Vorfeld über die veränderten klimatischen Herausforderungen gesprochen, die die Verlegung des Turniers vom April in den November mit sich bringen. Gleich am ersten Tag bewahrheiteten sich die Regen-Warnungen und das Spielgeschehen musste mehrere Stunden unterbrochen werden. Dies sorgte gleich für das nächste Problem, denn die Sonne geht in Georgia im November deutlich früher unter als im April. Somit beendeten nur wenige Spieler ihre Auftaktrunde am ersten Turniertag. Die anderen, darunter Bernhard Langer brachen im Morgengrauen des zweiten Tages auf.

Äußerst eindrucksvoll spielte die deutsche Legende und brachte seine Kritiker, die im Vorfeld des Turniers sagten, er habe keine Chance mehr gegen die jungen Longhitter, zum Verstummen. Mit der Länge seiner jüngeren Kollegen konnte er erwartungsgemäß zwar nicht mithalten, allerdings ergab sich dadurch für ihn kein Nachteil. Auf Bahn 1 war sein Abschlag zwar 71 Meter kürzer als der Abschlag von Kraftpaket Bryson DeChambeau, auf der Scorekarte stand für Langer am Ende trotzdem ein Birdie, bei Bryson DeChambeau nur Par. Durch seine Erfahrung, Platzkenntnis und sehr cleveres Spiel lag Bernhard Langer nach der ersten Runde sensationell auf dem geteilten 10. Platz, nur drei Schläge hinter dem bereits nach der ersten Runde in Führung liegenden Dustin Johnson.

In der zweiten Runde kam Bernhard Langer dann nicht mehr ganz an seine Fabel-Verfassung der Auftaktrunde heran. Er kämpfte mit dem Platz, verlor den ein oder anderen Schlag gegenüber seiner Konkurrenz, spielte sich aber trotzdem problemlos ins Wochenende – und schrieb damit Geschichte. 2020 startete Bernhard Langer zum 37. Mal in Augusta und verpasste dabei nur zwei Cuts. Mit seinen 63 Jahren ist er nun offiziell der älteste Spieler aller Zeiten, der einen Masters-Cut überstehen konnte. Sein letzter wird es sicherlich nicht sein. Denn auch am Wochenende hielt Langer munter mit seinen jüngeren Kollegen schritt, stellte viele von ihnen sogar in den Schatten. Er beendete das Turnier am Ende eindrucksvoll auf dem geteilten 29. Platz. Am Moving Day sorgte er mit einem 20-Meter-Monster-Putt für das aus deutscher Sicht wohl größte Highlight des Turniers – und für Ungläubigkeit im Gesicht seines Flight-Partners Rory McIlroy.

US Masters 2020: Dustin Johnson ist nicht zu stoppen

Doch Abseits der gar nicht hoch genug anzusiedelnden Leistung von Bernhard Langer spielte sich ein anderer Golfer in das Rampenlicht. Einer, der bereits bei zahlreichen Majorturnieren vorne mitspielte, mit einer Hand am Titel aber schon einige Male ins Straucheln kam: Dustin Johnson. Doch beim US Masters 2020 lief es endlich so, wie DJ es sich schon immer vorgestellt hatte. Gewohnt emotionslos marschierte der Weltranglistenerste Tag für Tag durch den Augusta National und spielte mit Ausnahme des zweiten Tages eine Monster-Runde nach der anderen. Dabei traf er phasenweise noch nicht einmal die Fairways des Kurses. Doch auch seine maue Ausbeute vom Tee – seine Abschlage waren lang, aber nicht sonderlich genau – konnten ihn auf seinem Weg zum Green Jacket nicht stoppen. Er war unaufhaltsam und ganz nebenbei sicherte auch er sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern. Mit seinem Score von -20 lag er am Ende fünf Schläge vor der Konkurrenz. Niemals zuvor spielte ein Golfer einen besseren Score im Augusta National als Dustin Johnson im Jahre 2020.

Dustin Johnson im Moment der Gewissheit, das US Masters 2020 gewonnen zu haben. (Foto: Getty)

Dustin Johnson im Moment der Gewissheit, das US Masters 2020 gewonnen zu haben. (Foto: Getty)

Der Auftritt von Dustin Johnson war historisch, doch die Atmosphäre im Augusta National schauderhaft. Kein Jubel, keine anfeuernden Rufe, kein Raunen – auch nicht im Moment des entscheidenden Putts. Das US Masters war anderes, als in den Jahren zuvor. Nicht nur die Spieler auf dem Platz haben die Patrons im Augusta National vermisst, wie Adam Scott bereits vor dem Turnier anmerkte, auch die Fernsehzuschauer rund um den Globus sehnten sich nach der elektrisierenden Atmosphäre der vergangenen Jahre. Es bleibt nur die Hoffnung, dass auch das US Masters 2020 in die Geschichtsbücher eingeht – und zwar als einziges Masters aller Zeiten, welches ohne Zuschauer im Augusta National auskommen musste.





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